Respektvoller Umgang mit Sexarbeit

Das älteste Gewerbe der Welt? Leichte Mädchen, der Strich, käufliche Liebe und so weiter: Wenn es darum geht, sexuelle Dienstleistungen zu beschreiben, war unsere Sprache schon immer vielfältig und kreativ. Heutzutage kämpfen Sexworker:innen für mehr Respekt und wehren sich dagegen, dass ihr Job als schmutzig oder minderwertig betrachtet wird. Doch nicht nur die Politik kann in ihrem Umgang mit Prostitution etwas verändern. Auch die Kund:innen haben die Gelegenheit, umzudenken.

Sicherheit im Geschäft

Der Sicherheitsaspekt ist in der Sexarbeit sehr komplex und hängt auch mit dem Ansehen der Menschen zusammen, die einem solchen Job nachgehen. Verdrängt man das Milieu in die Kriminalität, sind Kontrollen und Schutz der Arbeiter:innen nur noch schwer möglich. Zuhälterei in ihren übelsten Formen, Menschenhandel und Ausbeutung können Fuß fassen. Mit der Liberalisierung des Marktes kann Prostitution heute offener und sicherer praktiziert werden. Dabei ist die Ermächtigung der Dienstleister:innen selbst ein wichtiger Schritt, z. B. wenn es um den Einsatz von Kondomen, das Zurückweisen von Kund:innen und die Bestimmung der allgemeinen Arbeitsbedingungen geht.

Das Internet ist hier ein wichtiger Faktor: Es ermöglicht, Dienste zu bewerben und vor dem Treffen Absprachen über Wünsche und NoGos zu führen. Die Ladies und Männer müssen nicht mehr auf der Straße warten, sondern können sich bequem vom Rechner aus verfügbar machen. Dabei hat auch derjenige etwas von dieser Form der Präsentation, der jemanden für ein Schäferstündchen sucht: Die Profile der Sexarbeiter:innen geben Aufschluss über mögliche Praktiken, Körpermaße und Arbeitsbedingungen. Fotos können Lust auf mehr machen – optische Reize wirken in der Erotik schließlich sehr direkt.

Dabei bieten Online-Portale das ganze Spektrum an Diensten, die im Milieu üblich sind: Hochwertige Escorts, erotische Massagen, BDSM-Sex – für alle Vorlieben findet sich ein Anbieter. Bewertungssysteme und Feedback helfen, zuverlässige und gepflegte Huren oder Callboys zu erkennen. So ist das prickelnde Treffen nur ein paar Clicks entfernt.

Schluss mit Stigmatisierung!

Sexualität ist ein normaler Teil menschlichen Daseins. Ganz ehrlich: Ohne Sex wäre keiner von uns hier. Unsere Eltern hatten ihn und davor deren Eltern und so weiter. Warum also behandeln wir dieses Gebiet mit so viel Scham und Diskriminierung? Weil unsere Kultur christlicher Prägung einst sagte, dass Sex nur zwischen verheirateten Menschen okay ist.

Moment – das haben wir doch aber längst hinter uns gelassen? Es gibt Handy-Apps, mit denen man in kürzester Zeit jemanden klarmachen kann! Patchworkfamilien, die Befreiung von LGBTQ+ und noch so viele andere Errungenschaften, die das Leben von Menschen nachweislich gesünder, besser und liebevoller machen. Warum also ist es weiterhin okay, Sexworker zu stigmatisieren?
Weil es eine Dienstleistung ist? Bei anderen Gebieten haben wir vor Menschen, die ihr Handwerk verstehen und sich dafür bezahlen lassen, höchsten Respekt. Aber offenbar ist es für viele immer noch ein Unterschied, ob man einen Nagel in die Wand schlägt, oder sich nageln lässt.

Ein menschenwürdiger Umgang miteinander ist hier eine große Hilfe. Sexworker werden von Behörden unter Druck gesetzt, haben immer noch Probleme mit Diskriminierung z. B. durch Vermieter. Und daran wird sich nichts ändern, solange Sexarbeit noch auch von der anderen Seite mit Respekt behandelt wird: Wer körperliche Liebe kaufen will, sollte sich klarmachen, dass er kein Stück Fleisch erwirbt, sondern eine Dienstleistung von einem fühlenden Menschen und diesen dann entsprechend behandeln. Das ist das Minimum.

Kondom Guru
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